Burnout

In meinem Burnoutcoaching arbeite ich mit einem kombinierten Ansatz der Arbeits- und Betriebspsychologie und der Hypnotherapie.

Therapie in der Regel ca. 4 – 8 Einzelsitzungen.
Nur für Selbstzahler.

Themen sind

Abgleich natürlicher Begabungen vs. tatsächlicher Arbeitsanforderungen;
Aktualfähigkeiten und Stress- und Konfliktregulation;
biografische Aufarbeitung.

 

Interview von Mario Gust mit Prof. Dr. Dirk Revenstorf (Report Psychologie 01/16)

Präventionsstrategien gegen den drohenden Burnout

Mario Gust:
MG

Der gewerkschaftsnahe Philosoph Klaus Peters stellte 2000 fest, dass Vorgesetzte ihren Mitarbeitern heute nicht mehr mit einer vorgehaltenen Pistole drohen müssen, um Leistung abzurufen. Heute reicht der Verweis auf die Krokodile – die internationalen Mitbewerber -, die im Unternehmen alle Mitarbeiter bedrohen.

Könnte hier so etwas wie die „Identifikation mit dem aggressiven Vorgesetzten“ vorliegen?

Prof. Dirk Revenstorf:
DR

Nicht nur. Es ist subtiler. Letztlich werden hier Erfolgsnormen suggeriert, die zusätzlich noch von einem narzisstischen Zeitgeist geprägt sind. Wer heute erfolgreich sein will, wer der Schmied seines eigenen Glücks sein will, hat sich diesem Zeitgeist zu unterwerfen. Die Botschaft lautet: „Wenn du kein Versager sein willst, musst du das schaffen, sonst bist du ein Versager.“

MG:

In unzähligen Studien wurde Burnout in ca. 60 Berufen festgestellt. Überwiegend sind davon sozial engagierte, helfende Berufe betroffen. Auch Psychotherapeuten und Ärzte.

DR:

Die Balance zwischen Freizeit und Arbeit, zwischen Geben und Nehmen bekommen Psychotherapeuten besonders schlecht hin. Natürlich bekommen sie ein bisschen narzisstische Selbstbestätigung. Aber der Preis ist nicht unerheblich. Sie erleben uneingestandene Enttäuschungen: die Frustrationen des Widerstands, der Misserfolge, der sich ewig hinziehenden, unergiebigen Gespräche.

MG:

Worin äußert sich aus Ihrer Sicht dieser narzisstische Zeitgeist, von dem Sie sprechen?

DR:

Wenn du nicht der Schmied Deines Glücks bist, erntest du Verachtung und hast dir die Scham des Verlierers eingehandelt. Schön, erfolgreich, glücklich: Das wird uns aus den Medien, den Zeitschriften, den Fernsehsendungen, in youtubes entgegengestrahlt. Glück besteht nur noch aus der Komfortzone der Markenklamotten, Accessoires wie teuren Handtaschen und Autos, des Eigenheims, der Aktien usw.

Der Anspruch zu den Gewinnern zu zählen ist anstrengend und führt bei vielen in die Selbstausbeutung. Selbstfürsorge ist kaum ausgeprägt.

MG:

Sie unterscheiden unterschiedliche Stile der Selbstausbeutung.

DR:

Das ist die Art, wie man in dem Konkurrenzgerangel um Anerkennung gut funktioniert. Der eine macht es über eine rigide Disziplin. Das macht ihn steif, macht in stark, lässt ihn durchhalten.

Ein anderer macht es über ein histrionisches Drama. Man ist unterhaltsam, ist kreativ und weiß dann vielleicht durch Überzeichnung nicht mehr genau, was man selber will. Oder man versucht, Anerkennung durch geduldiges Ertragen, oder durch Dominanz, oder durch eine dependente Position zu bekommen. Das führt schnell zu Anerkennung oder wenigstens Duldung durch Bescheidenheit. Der Masochist macht es ähnlich, der Psychopathen-Held glaubt, immer stark sein zu müssen. Auch der schizoid Zurückgezogene kommt immer zu kurz, weil er sich nicht traut, etwas in Anspruch zu nehmen.

MG:

Ein wesentliches Kennzeichen eines Burnouts ist die „posttraumatische Verbitterung“. Was muss man verfolgen, um langfristig Frustration und innerer Leere zu entgehen?

DR:

Konsum und Wellness ist es nicht. Das Leben sollte man auch nicht als Nullsummenspiel betrachten, bei dem der eine gewinnt, was der andere verloren hat.

Man sollte das Leben als synergetisches Projekt betrachten und dabei hilft u.a. Selbstfürsorge durch Dankbarkeit.

MG:

Was verstehen Sie in diesem Kontext unter Dankbarkeit?

DR:

Dankbarkeit ist ein subjektiver Gradmesser für die Wohltaten, die ich erlebe. Ich bin umso dankbarer je wichtiger und angenehmer und wohltuender das ist, was mir widerfährt. Zweitens ist es ein Motiv sich selbst prosozial zu verhalten und es verstärkt drittens das prosoziale Verhalten der anderen. Dankbarkeit ist ein wesentliches Merkmal von Selbstfürsorge. Auf diesem Boden gedeiht keine Verbitterung und wohl kein Burnout.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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